
Im letzten Beitrag haben wir Euch Fitness-Trainerin Corinna Wolf vorgestellt. Wir haben die Gelegenheit genutzt, sie als Expertin mit Fragen zum Thema Fitness und Ernährung zu löchern. Insbesondere im Hinblick auf Schwangere und Mütter.
Daraus ist ein tolles Interview entstanden mit vielen umfangreichen Antworten.
Hier kommt Teil 2 des Interviews:
Stichwort Übelkeit in der Schwangerschaft: was tun, wenn man sich eigentlich gesund ernähren soll, aber auf nichts (oder nur auf Pizza und Chips) Hunger hat?
(CW) Ich denke, man sollte sich nicht zusätzlich noch unter Druck setzen. Ich hatte in den ersten Monaten auch auf ungesunde Nahrungsmittel Lust und habe die Gelüste zugelassen bzw. musste sie zulassen. Denn teilweise musste ich mich nach dem Verzehr gesünderer Lebensmittel gleich wieder übergeben, was dann ja auch nicht zielführend war.
Man braucht ein gewisses Urvertrauen in seinen Organismus, dass das Baby schon mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird, die man ja bereits vor der Schwangerschaft gespeichert hat. Schön finde ich immer den Vergleich mit der vermeintlichen Gewichtszunahme über Weihnachten: Man nimmt nicht von Weihnachten bis Neujahr zu, sondern von Neujahr bis Weihnachten. Deshalb empfehle ich eine gesunde, ausgewogene Lebensweise bereits ab Kinderwunsch. Und dann können wenige Wochen/Monate ungesunder Lebensweise dem Baby bestimmt nichts mehr anhaben.
Was macht man am besten, wenn der Bauch größer wird und man selbst dadurch unbeweglicher. Man kann sich bspw. schlechter bücken. Was aber vielleicht ab und zu gemacht werden muss. Wie kann ich mich am besten bücken, ohne dass mir schwindelig wird oder mir das Blut in den Kopf schiesst?
(CW) Ich versuche zumindest;-), mich über einen großen Ausfallschritt zu bücken, d.h. ich gehe in Schrittstellung, habe aber die Füße weiter geöffnet als normal, damit Platz für den Bauch ist, und beuge die Beine mit geradem Rücken. Dies ist gleichzeitig ein schönes Bein-Po-Workout.
Pilates in der Schwangerschaft
Du hast kürzlich auch einen Workshop zu Pilates in der Schwangerschaft besucht: Was ist generell so gut an Pilates?
(CW) Pilates dient primär der Kräftigung von Beckenboden-, Bauch– und Rückenmuskulatur und kann von Menschen in jedem Alter und in jedem Leistungslevel praktiziert werden. Insbesondere Menschen, die eine sitzende Tätigkeit ausüben, profitieren sehr von Pilates-Training.
Was gefällt Dir persönlich besonders an Pilates?
(CW) Beim Pilates geht es um fließende, dynamische Bewegungen im Einklang mit der Atmung. Pilates stärkt die Körpermitte und damit das Kraft- und Kontrollzentrum des Körpers, es sorgt für eine gute Haltung und schult die Körperwahrnehmung.
Warum ist gerade Pilates gut, es in der Schwangerschaft auszuüben?
(CW) Zunächst einmal ist zu sagen, dass es mittlerweile Kursformate wie „Pilates für Schwangere“ gibt, die Schwangere besuchen sollten, da viele Bauchmuskel-Übungen aus Pilates nicht mehr geeignet sind. Der Fokus auf den Rücken und den Beckenboden verbunden mit Dehnungsübungen und Entspannungstechniken sind dagegen optimal für werdende Mütter.
Worauf gilt es beim Sport als Schwangere generell zu achten?
(CW) Grundsätzlich gilt: Der Körper sagt einem in der Regel, was gut für ihn ist. Ich mochte z.B. schon ganz früh nichts mehr in Bauchlage machen. Es war einfach ein Gefühl, das da war. Belastungsspitzen und natürlich auch risikoreiche Sportarten mit Sturz- und Verletzungsgefahr sind zu vermeiden.
Bietet sich Pilates auch nach der Geburt gut an? Könnte man es als eine Weiterführung der Rückbildung machen oder ist da ein anderes Programm besser?
(CW) Absolut, aber auch hier sollte ein spezielles Format der Pilates-Rückbildung gewählt werden, da nicht sofort mit der Kräftigung der Bauchmuskeln begonnen werden kann. Ansonsten ist natürlich gerade der Fokus auf den Beckenboden sehr sinnvoll.
Letzte Fitness-Tipps
Als Fitnesstrainerin hast Du sicher schon viele Kurse und Sportarten ausprobiert. Was ist für Dich das effektivste Mittel, um schnell in Form zu kommen?
(CW) Das ist für mich eindeutig Intervalltraining mit Belastungsspitzen. Hierbei können wunderbar Herz-Kreislauftraining mit Elementen aus dem Krafttraining kombiniert werden. Allerdings bin ich mir dessen bewusst, dass das nach der Entbindung nicht mein Weg sein kann. Intervalltraining erfordert uneingeschränkte Gesundheit und Leistungsfähigkeit, die sicherlich nach der Geburt nicht gewährleistet sind. Ich habe mir vorgenommen, viel Bewegung in meinen Alltag zu integrieren, also Treppen zu laufen, lange Spaziergänge zu machen, Mutter-Kind-Bewegungsangebote zu nutzen. Ich denke, das Wichtigste ist, auf den eigenen Körper zu hören und nicht zu schnell zu viel zu wollen.
Und zum Schluss: wie überwindet man den (oft hartnäckigen) inneren Schweinehund? Hast Du einen guten persönlichen Tipp für unsere Leser?
(CW) Es ist wichtig, dass jede Frau – unabhängig von den neusten Fitness-Trends – eine Sportart findet, die ihr Spaß bereitet. Denn: Jegliche Form der Bewegung ist gut und tut gut. Es bringt nichts, sich zu verbiegen und sich eine Sportart aufzuzwängen, die vielleicht gerade besonders angesagt ist.
Viel wichtiger ist es, die eignen Vorlieben zu erkunden. Und das meine ich ganz ernst: Viele Menschen, die sehr eingebunden im Berufsleben sind, wissen einfach nicht mehr, was ihnen tatsächlich Freude bereitet. Oft hilft schon die Klärung einfacher Fragestellungen wie: Trainiere ich lieber indoor oder outdoor? Bin ich ein Einzelkämpfer oder liegen mir Mannschaftssportarten mehr? Zu welcher Tageszeit fällt mir Sport am leichtesten?
Liebe Corinna, wir danken Dir ganz herzlich für die vielen Infos und Tipps. Und jetzt wünschen wir Dir erst mal eine tolle restliche Schwangerschaft und alles Gute für Dich und Dein Baby!
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